Berlin-Protokolle: Momentaufnahmen. Skizzenhafte Aufzeichnung eines Ortes in Berlin. Zwanzig Minuten schreiben, alles, was gerade durch den „Kopf“ geht oder den Körper, Wahrnehmungen, Sehen, Hören, Empfinden, Riechen, Gedanken, Gefühle, Assoziationen, Vorstellungen und im Nu ist alles vorbei. Dann noch chronologisch vorlesen, fertig. Ich bin Teil der Gruppe: „Minimales Reisen“ und schreibe gemeinsam mit anderen regelmäßig Parallelprotokolle. Dabei bin ich mit mir allein und gleichzeitig mit anderen verbunden, ein Hochgenuss an Freiheit und Glück. Meine Texte könnt Ihr hier lesen. Sie sind nicht ein Parallelprotokoll, eben nur mein Teil. Ich stelle sie Euch hier zur Verfügung, Ihr könnt die Orte in Berlin finden und als Anregungen für Euren Berlin Besuch nutzen oder selber mal mitschreiben oder was Ihr wollt.
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14:00 Geht los, wir sitzen hier am riesigen Fenster, mit Blick auf die Affen. Da kommen schon zwei, noch zwei aus dem Felsen von links. Sieht alles sehr angelegt aus, aber die Affen scheinen sich hier wohl zu fühlen, so grazil, wie sie sich bewegen.
14:01 Ich sitze nicht so ganz gut. Zwei Affen tänzeln mit ihren roten Hintern über die grauen Steinplatten. Das meiste Leben findet im Verborgenen statt. Von links kommen sie alle. Ob sie da gerade gefüttert wurden?
14:03 Pavian, sagte eine Besucherin hinter uns. Rote Gesichter und rote Hintern, kräftig sehen sie aus, von hinten, im 4-füßler-Stand, genau, sie laufen auf 4 Füßen, kleine, mittlere, große, mit Mähnen, wie kleine Schafe sehen sie aus. Einer schüttelt sich gerade mal kurz auf einem Felsen und rennt dann auch schon weiter.
14:04 Ein kleiner und ein großer sitzen gemütlich da auf einem Stein, sie sind unberechenbar. Wenn ich denke, sie bleiben da – oh ja, nun steht der eine auf und der kleine folgt. Ein neuer kleiner kommt. Wer wohl männlich und weiblich ist. Ich kann es nicht erkennen.
14:05 Einer schaut zu uns, sie scheinen da im Graben zu laufen, hinter der Hecke, da sieht man sie nicht so gut. Viele kleine Affen kommen wieder von links, einer schreitet oben auf dem Felsen, locker lässig läßt er sich herabfallen.
14:06 Ein Mann mit Kopfhörern und Rucksack geht vorbei. Österreichische Töne von links. Die Affen rasen los, alle auf einem Haufen, sie springen rauf, sitzen da oben herum.
14:07 Richtungen, ich erkenne nur Richtungen, wenn sie wild herum rasen, ein konkreter Grund für ihre Bewegungen läßt sich nicht erkennen.
14:08 Alle haben rote Hintern, die einen mehr, die kleinen weniger. Jetzt sind sie wieder weg. Ein Auto fährt vorbei, ein Radfahrer mit T-Shirt, mit der Aufschrift Zoo-Berlin.
14:09 Da hinten ein Wasserfall, hinter dem Affengehege. Jetzt ist es gerade still, denke ich und schon kommen sie wieder von hinten. So viele kleine. Wer ist Vater? Wer ist Mutter? Die löwenartigen, Großen?
14:11 Eigentlich hatte ich mich so gefreut, auf das Schreiben hier am Fenster und jetzt finde ich es uninteressant. Weiß nix über die Affen. Schimpansen sind es nicht, Paviane scheint richtig zu sein. Ich sitze nicht gut. Jetzt besser. Während ich meinen Platz nach justiere, hüpfen alle Affen von unten nach oben. Mit dem Rücken zu uns, mausgrau sehen sie aus. Die jungen sind dunkler.
14:13 Eine Mutter schiebt ihr Kind an die Scheibe, damit es sehen kann. Es liegt hier mit Regenklamotten vor uns. Er sagt, ‚Mama, da sind Affen‘. Ja, ich weiß, hast du sie gerade gesehen? Die Mutter sitzt etwas abseits, schaut Handy. Der kleine Affe hangelt sich an den Tauen hoch und schon ist er wieder weg.
14:15 Mach mal cheese … sagte die Mama, der Junge sagte entschieden NEIN, – er könnte mir ein guter Nein-sagen-Lehrer sein.
14:16 Und wieder sind alle Affen auf dem Felsen, sie schauen in die andere Richtung, als haben sie keine Lust darauf, angeglotzt zu werden. Sie nehmen keine Notiz von den Menschen, sie agieren, als täten sie einen Job, hüpfen, springen geschäftig herum. Was die wohl denken mögen, wofür sie da sind?
14:17 Ob sie noch Auslauf die die anderen Richtung haben? Jetzt laufen sie wieder alle hoch. Es sind immer so Richtungen zu erkennen. Jetzt von unten nach oben. Es ist für sie gesorgt, sie müssen nix dafür tun. Ein dicker Löwenaffe springt seitwärts die Felsstufen herunter. Ein anderes sitzt da, sieht aus, als schaue er in sein Handy. Ja, genau, ein Handy haben sie nicht. Ich würde sie gerne anfassen.
14:19 Irgendwo in Afrika oder wo auch immer, habe ich schon mal echte Affen erlebt, sie sind rotzfrech, kommen ganz nah und holen sich Essen, wo immer das möglich ist.
14:20 Der Mitarbeiter radelt zurück in die andere Richtung zurück. hmmm.
