Berlin-Protokoll: Drogeriemarkt

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Der nachfolgende Text ist mein Beitrag zu einem Parallelprotokoll der AG Minimales Reisen bei der Kunsthalle Below. Alles über diese Methode erfährst du hier. Es sind 20 Minuten chronologische Aufzeichnungen mit Blick auf ein Objekt über eigene Gedanken, Gefühle, Wahrnehmungen.

110626 dm

17:47
Wir stehen hier so auffällig auf der Fläche, dass ich mich am liebsten wieder verstecken möchte. Eigentlich ziemlich demonstrativ, zwischen Körperpflege und Schminke zur rechten. Das nennt man ja dekorative Kosmetik und nicht Schminke.

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Ich liebe die ganzen Regale hier und den Duft der großen weiten dm Welt. Dm riecht anders als Roßmann. Hier ist es heute besser als gestern im Supermarkt.
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Rechts alles rot, rote Lippenstifte, L’Oréal, du bist es dir wert, steht oben drüber. Kategorien oben: Lippe Teint Auge. Mütter mit Kinderwagen, Frauen mit Einkaufswagen, eine Kundin hinter uns schaut in das Körperpflege Regal, sie kauft die Eigenmarke Natur, das soll man kaufen, sagt Herbert. Er entwickelt die Natur Kosmetik Linien für die Drogerie- und Supermärkte. 
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Eine Kundin schleicht mit zusammengepressten Lippen an uns vorbei, – ohne Korb, trägt sie jede Menge kleines Zeug zur Kasse.
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Bei der dekorativen Kosmetik gibt es auch bei maybelline die Überschriften lips eyes und face. Zu face gehören make up, in allen Farben und Konsistenzen. Wo Rouge ist, weiß ich gar nicht . Bei L’Oréal gehört es zu Teint, da sind auch viele Make ups. Zu deutsch mach-up , trag auf oder was sind das eigentlich für merkwürdige Bezeichnungen.
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Gleich lesen wir die Protokolle Kuhstall und Ameisen öffentlich. Ob mir das wohl gelingt? Ich denke an Vorlese Wettbewerb in der 5. Klasse. Da, wo Leistung ins Spiel kommt, bin ich geneigt, mich zurück zu ziehen. Aber es tut schon gut, das hier auszusprechen, da atmet es gleich durch. 
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Die Wege hier auf der Fläche sind lang, bis nach ganz hinten bestimmt 50 m, ich rechne 5 mal meinem 11 m langen Flur. Die Klimaanlage rauscht hinter uns, es ist auch ruhig hier, wie gestern. In der Stille zeigt sich das Rauschen und das Entschuldigung einer Kundin.
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Da vorne ist Küchenpapier, das bräuchte ich, aber kann ich jetzt nicht kaufen, too much, das kaufe ich bei penny, das mit den halben Blättern.
18:00
Die Lippenstifte sind viel, aber meistens kleben sie oder sie trocknen derartig aus, das sie meinen Lippen nicht wohl gesonnen sind.
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Man muss teure dekorative Kosmetik kaufen, das weiß ich aus meinem Praktikum bei Schrader in Holzminden. Billige Pigmente kommen aus China. Und wenn man jeden Tag Lippenstift aufträgt, isst man in einem Jahr einen ganzen Stift auf, der in Leber und Nieren nachweisbar ist.
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Die Verkäuferin im weißen Kittel – Reinigungskugeln aus Metall – ach, ich brauche Glasklar zum Nachfüllen.
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Einen Augenbrauenstift … empfiehlt sie. Ich schaue auf das Gespräch zwischen einem Kunden und der Verkäuferin.
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Es wird langsam etwas voller, wir stehen hier ganz am Anfang und die Leute müssen schon dicht an uns vorbei.
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Die Verkäuferin sortiert die Auslage, sie hat ein Handy in der Hand und ist ganz beschäftigt. Sie spricht  die Mutter mit dem kleinen Mädchen an, das offensichtlich einen Lippenstift in den Händen hält. So ganz dezent ist da was los, das ich nicht einordnen kann.
06
Wortfetzen: Dass es nicht geklaut wird, Entschuldigung, dass ich gefragt habe, … sie hat es gut gemacht, finde ich.
07
Sheglam ein eigener Aufsteller der vor uns steht, she glams, die leuchtet, Abteilungen mit den Überschriften face, hot, face, lips, eyes und eyes & body ganz unten. Cruelty free.
Wer sich das wieder ausgedacht hat, natürlich die Marketing ladies. Cruelty free soll sicher heißen, ohne Tierversuche, die werden mit cruelty gleichgesetzt. Die Wahrheit ist, dass alle Rohstoffe cruel sind.

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